Laura Clair Kowalczyk
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Leben zwischen zwei Sprachen.

Du funktionierst in der neuen Sprache. Aber fühlst du in ihr auch?

Notizen über Heimweh, Identität und das leise Gefühl, an zwei Orten gleichzeitig — und nirgends ganz — zu sein.

Laura Clair KowalczykLaura Clair KowalczykPsychologin & GestalttherapeutinLesezeit: ca. 7 Min.Stand: August 2026
Kurz gesagt

Das Leben zwischen zwei Sprachen kostet unsichtbare Energie: das Gehirn übersetzt dauernd, Heimweh kommt in Wellen, und die Frage „wer bin ich in dieser Sprache?“ bleibt oft unbeantwortet. Das ist keine Schwäche, sondern echte Zusatzlast. Hilfreich ist, die Schwebe zwischen den Kulturen als Zustand ernst zu nehmen, statt sie wegzuarbeiten.

Es gibt einen Moment, den fast alle kennen, die im Ausland leben: Du erzählst etwas Lustiges — und mitten im Satz merkst du, dass die Pointe in dieser Sprache nicht funktioniert. Kein Drama. Aber es summiert sich: das Suchen nach Worten beim Arzt, der Small Talk, der Kraft kostet, das Heimweh, das ausgerechnet beim Geruch einer Bäckerei zuschlägt. Ich bin Laura, Psychologin & Gestalttherapeutin — geboren in Deutschland als Kind polnischer Eltern, mit Stationen in Warschau und Berlin. Das Leben zwischen Sprachen ist mein Beruf und meine Biografie.

Was da eigentlich arbeitet — vier stille Baustellen.

  1. Die Dauerübersetzung.

    In einer Zweitsprache zu leben heißt: Dein Gehirn leistet Übersetzungsarbeit, auch wenn du sie längst nicht mehr bemerkst. Am Ende des Tages fehlt Energie — und du weißt nicht, wohin sie verschwunden ist. Das ist keine Schwäche. Das ist Arbeitslast.

  2. Das Heimweh, das keiner sieht.

    Heimweh bei Erwachsenen gilt als Kinderkram — also schweigt man darüber. Dabei ist es Trauer um etwas Reales: Selbstverständlichkeit. Ein Zuhause, in dem man nicht erklären muss, wer man ist.

  3. Die Identitätsfrage.

    „Wer bin ich in dieser Sprache?“ Viele erleben sich in der Zweitsprache als flacher, härter oder stiller als sie sind. Wenn dich die Menschen hier nur so kennen — welche Version von dir ist dann die echte?

  4. Die Zugehörigkeits-Schwebe.

    Im neuen Land bist du „die Polin“, „der Deutsche“, „die Ausländerin“. Zu Hause bist du inzwischen „die aus Deutschland“. Beide Orte haben ein Etikett für dich — und keins passt ganz.

Was hilft — und was nur Druck macht.

Was Druck macht: das Integrations-Ideal, nach dem Ankommen eine Checkliste ist — Sprache perfekt, Freundeskreis lokal, Heimweh abgelegt. Wer daran misst, fühlt sich chronisch im Rückstand.

Was hilft: die Schwebe als Zustand ernst nehmen, statt sie wegzuarbeiten. Beide Sprachen im Alltag lassen — fühlen darf auf Polnisch passieren, arbeiten auf Deutsch. Kontakte, in denen du nicht erklären musst, sondern erkannt wirst. Und: dem Heimweh einen Platz geben — es ist Liebe zu etwas, das dich geprägt hat, kein Rückschritt.

Wenn die Schwebe kippt — in Erschöpfung, Einsamkeit oder das Gefühl, neben dem eigenen Leben zu stehen — kann Therapie der Ort sein, an dem beide Welten gleichzeitig da sein dürfen. In meiner Arbeit mit Expats und Internationals wechseln wir die Sprache, wenn ein Gefühl seinen Namen in der anderen findet. Mehr über Therapie für Expats — oder über individuelle Therapie online.

Vielleicht kennst du das

  • Nach Sozialkontakten in der Zweitsprache bist du erschöpfter als „erlaubt“.
  • Du verschiebst Anrufe, für die du die Landessprache brauchst.
  • Heimweh kommt in Wellen — oft an unerwarteten Auslösern.
  • Du fühlst dich in der neuen Sprache wie eine reduzierte Version von dir.
  • Bei Besuchen „zu Hause“ merkst du: Auch dort bist du nicht mehr ganz zu Hause.

Dieser Text ersetzt keine medizinische oder psychiatrische Behandlung. In akuten Krisen: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 (kostenlos, rund um die Uhr) — im Notfall 112.

Sprich in der Sprache, in der du fühlst.

Therapie auf Deutsch, Englisch oder Polnisch — auch gemischt, so wie dein Leben. Das erste Kennenlern-Gespräch ist kostenlos und unverbindlich: 15 Minuten per Video.

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Häufige Fragen

Kurz beantwortet: Psyche & Ausland.

Ist Heimweh bei Erwachsenen normal? +

Ja. Heimweh ist Trauer um Selbstverständlichkeit — Orte, Menschen, Sprache, die keinen Erklärbedarf hatten. Es ist kein Zeichen gescheiterter Integration, sondern Teil jeder größeren Ortsveränderung.

Warum bin ich im Ausland so erschöpft? +

Leben in einer Zweitsprache bedeutet permanente Zusatzarbeit fürs Gehirn — plus den Aufbau von allem, was zu Hause fertig war: Netzwerke, Routinen, Zugehörigkeit. Diese unsichtbare Last erklärt viel Erschöpfung.

Kann ein Umzug psychische Probleme auslösen? +

Emigration gehört zu den größeren Lebensumbrüchen und kann bestehende Themen verstärken — etwa Ängste, Stimmungstiefs oder Beziehungskonflikte. Frühe Unterstützung macht den Übergang deutlich leichter.

In welcher Sprache sollte Therapie stattfinden? +

In der Sprache, in der du fühlst — und die darf wechseln. In meinen Sitzungen sind Deutsch, Englisch und Polnisch möglich, auch gemischt innerhalb einer Sitzung.

Porträt von Laura Clair Kowalczyk

Über die Autorin

Laura Clair Kowalczyk ist Psychologin (M.A.) und Gestalttherapeutin (IGG Berlin). Seit 2019 begleitet sie Menschen online — auf Deutsch, Englisch und Polnisch — bei Angst, Stress und Lebensübergängen.

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